Viel gebaut, kaum genutzt
Braucht Deutschlands Glasfaserstrategie ein Update?
Deutschland braucht Glasfaser, daran besteht kein Zweifel.
Deutschland hat inzwischen auch jede Menge Glasfaser, daran besteht auch kein Zweifel.
Nutzen die Deutschen ihr Glasfaser? Daran besteht seit kurzem erheblicher Zweifel.
Die Beratungsgesellschaft PwC attestiert in einer neu vorgelegten Studie der Glasfaser-Branche ein handfestes Strategieproblem, das richtig ins Geld geht. Die Studie legt offen, dass die wahllose Verlegung möglichst vieler Glasfaserkilometer, wie in der Vergangenheit geschehen, kein Garant für ein profitables Geschäft ist. Der Branche fehlt es an zahlenden Endkunden, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Netze ermöglichen.
PwC legt dazu auch eindeutige Zahlen vor. So waren bis Mitte 2025 rund 24,3 Millionen Haushalte und Geschäftseinheiten mit Glasfaser erreichbar, davon waren allerdings lediglich 6,6 Millionen Anschlüsse tatsächlich aktiviert. Das entspricht einer Take-up-Rate von nur ca. 27 %. Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass die Take-up-Rate in Europa durchschnittlich über 50% und im internationalen Vergleich teilweise jenseits der 80% liegt. Auf den ersten Blick scheint dies eine reine Krise der Glasfaserbranche zu sein. Sieht man sich den Ursprung des Problems aber genauer an, zeigt das aus unserer Sicht ein systemisches Problem auf, das grundlegend das Vorgehen beim Infrastrukturausbau in Frage stellt:
Wie sinnvoll ist es eigentlich, die Qualität der digitalen Infrastruktur in Deutschland rein an der verlegten Kabellänge zu bemessen, ohne die tatsächliche Nutzung qualitativ zu bewerten?
Gebaut ist nicht gleich angeschlossen und angeschlossen nicht gleich genutzt, so das Learning aus der Studie. Weshalb werden also Unsummen in eine Infrastruktur investiert, die am Ende nur wenige nutzen und die auch schneller und ohne große Baustellen gezielt bereitgestellt werden könnte?
Natürlich sollte man aus der aktuellen Studie nicht den Schluss ziehen, Deutschland brauche weniger Glasfaser. Ganz im Gegenteil. Aber für einen wirtschaftlichen weiteren Ausbau müssen die Netzauslastung und Take-up-Rate steigen, damit Investitionen in die Infrastruktur nicht zum Erliegen kommen.
Laut VATM könnte das Prinzip Open Access hier die Rettung sein. Ein Netzbetreiber öffnet seine Infrastruktur für andere Telekommunikationsanbieter, die darüber dann wiederum eigene Kunden versorgen können. Mehrere Anbieter hätten so die Möglichkeit dasselbe physische Netz zu nutzen, was die Auslastung erhöht und den unnötigen parallelen Ausbau reduzieren würde.
Und genau hier wird dann auch das Thema Technologieoffenheit interessant.
Die erste Frage bei einem Infrastrukturprojekt, wenn Wirtschaftlichkeit stärker in den Mittelpunkt rückt, sollte nicht automatisch lauten: „Wo verlegen wir Glasfaser?“, sondern: „Welche Infrastruktur erfüllt die konkrete Aufgabe, technisch, wirtschaftlich und resilient am besten?“ Gerade bei Unternehmensstandorten, Industrie, Kommunen oder kritischen Infrastrukturen können die Antworten darauf nämlich sehr unterschiedlich ausfallen. Muss beispielsweise ein abgelegener Unternehmensstandort über mehrere Kilometer angebunden werden, kann eine neue Glasfasertrasse erhebliche Tiefbauarbeiten, Genehmigungen und entsprechende Investitionen erfordern. Eine leistungsfähige Richtfunkverbindung könnte hier bei geeigneten Rahmenbedingungen eine solche Strecke ohne Tiefbau deutlich schneller realisieren. So werden Kapazitäten für den Glasfaserausbau an anderer Stelle frei und die gesamte Vernetzung beschleunigt sich.
Wichtig an dieser Stelle ist uns hervorzuheben, dass es nicht um Glasfaser versus Richtfunk geht, sondern vielmehr die Themen Technologieoffenheit, Wirtschaftlichkeit und Ausbaugeschwindigkeit in den Fokus der Aufmerksamkeit und des öffentlichen Diskurses zu rücken.
Auch sind wir der festen Überzeugung, dass moderne Netze aus Gründen der Resilienz per se nicht aus einer Technologie bestehen sollten. Dies gilt insbesondere bei systemkritischer Infrastruktur und Unternehmen, die ökonomisch oder sicherheitsbedingt keine Downtime haben sollten. Daher empfehlen wir für eine resiliente und wirtschaftliche Lösung, mit zukunftssicherer Netzarchitektur, Glasfaser als leistungsfähige Basis und Richtfunk als unabhängige Anbindung parallel auszubauen. Wir plädieren dafür, dass die nächste Phase des digitalen Infrastrukturausbaus sich nicht alleine an der Masse messen lassen muss, sondern ob wir die richtige Infrastruktur am richtigen Ort bauen.
Das langfristige Ziel muss es sein, eine leistungsfähige, wirtschaftliche und resiliente Vernetzung für die Zukunft zu schaffen.
ÜBER LAN-COM-East
LAN-COM-East ist Synonym für ein klassisches Familienunternehmen, das sich auf die Planung, Realisierung und den Betrieb von sicheren, privaten Netzen über Richtfunk konzentriert.
Mit 20 Mitarbeitern am Standort Hoppegarten in der Nähe Berlins bietet das Unternehmen zuverlässige Lösungen aus einer Hand – inklusive Reparatur und Wartung. Dabei bieten wir unseren Kunden stets komplette Pakete mit Richtfunkplanung, Netzplanung, Routerplanung, Streckenklärung, Installation und Wartung aus einer Hand.
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